Asien - Politische Übersicht

Asien - Staaten und physische Übersicht
978-3-14-100900-2 | Seite 172 | Abb. 1| Maßstab 1 : 80000000

Überblick

Asien ist mit einer Fläche von 44 Mio. Quadratkilometern der größte Kontinent. Von den 49 souveränen Staaten reichen drei Staaten teilweise nach Europa, nämlich Russland, die Türkei und Kasachstan.

Staatsgründungen nach 1945

Ein überwiegender Teil der asiatischen Staaten hat seine heutigen Grenzen erst nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten, als viele Länder von den ehemaligen Kolonialmächten in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Im vormaligen Britisch-Indien führten langjährige Konflikte zwischen Hindus und Muslimen 1947 zur Teilung in die Staaten Indien und Pakistan. Die von Japan im Zweiten Weltkrieg besetzten Länder Myanmar (Birma), Indonesien, Vietnam und die Philippinen erhielten ebenfalls Autonomiestatus. Das seit 1910 ebenfalls zu Japan gehörende Korea wurde 1948 in Nord- und Südkorea geteilt. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges kam es in Asien zu einer ganzen Reihe blutiger Konflikte wie dem Korea-, Indochina- und Vietnamkrieg. 1954 wurde Indochina in die souveränen Staaten Laos, Kambodscha sowie Nord- und Südvietnam aufgeteilt; 1976 erfolgte die vietnamesische Wiedervereinigung unter kommunistischer Herrschaft. Im chinesischen Bürgerkrieg errangen die Kommunisten nach 1945 den Sieg. Das Land wurde 1949 Volksrepublik und stieg zugleich zu einer Großmacht auf. Die Auflösung der Sowjetunion führt 1991 zur Entstehung zahlreicher neuer Staaten in Mittelasien, im Kaukasus und in Osteuropa.

Zerfall der englischen Kolonialmacht

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich die imperiale Herrschaft europäischer Mächte über asiatische Völker und Länder nicht mehr aufrechterhalten. Anführer der Unabhängigkeitsbewegung in Britisch-Indien war der 1869 geborene, 1948 ermordete Pazifist und Menschenrechtler Mahatma Gandhi. Seine Aufrufe zum zivilen Ungehorsam gegenüber der Kolonialmacht fanden einen breiteren Anklang in der Bevölkerung. Allerdings wurde seine zweite große antibritische Kampagne von den Muslimen des Landes schon nicht mehr mitgetragen; ab 1940 forderte die Muslim-Liga die Gründung eines unabhängigen Staates Pakistan.

Als Britisch-Indien 1947 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, bemühte sich Gandhi vergeblich, die Einheit des Landes zu wahren; geteilt wurde es schließlich in die Staaten Pakistan, in dem der Islam zur Staatsreligion erhoben wurde, und das hinduistisch dominierte Indien. Ostpakistan wiederum spaltete sich aufgrund sprachlicher und kultureller Gegensätze 1971 als Bangladesch von Westpakistan ab. Die Grenzstreitigkeiten zwischen Indien und Pakistan um die überwiegend muslimische, aber dennoch zu Indien gehörende Kaschmirregion führten zu einem Dauerkonflikt, der auch durch die Teilung Kaschmirs 1966 nicht beigelegt werden konnte.

Sri Lanka, das frühere Ceylon, war 1796 in britischen Besitz gelangt. 1948 wurde die ehemalige Kronkolonie in die Unabhängigkeit entlassen. Ab den 1950er-Jahren kam es immer wieder zu blutigen Konflikten zwischen den singhalesischen und tamilischen Bevölkerungsgruppen. 1972 wurde Ceylon unter dem Namen Sri Lanka zur Republik. Wie auch Pakistan, Indien, Bangladesch und Malaysia ist Sri Lanka Mitglied des Commonwealth of Nations, einer losen Gemeinschaft souveräner Staaten aus dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland sowie ehemaliger Kolonien.

Myanmar, das vormalige Birma, war 1886 an Britisch-Indien und 1942 an Japan gefallen, bevor es 1948 die Unabhängigkeit erlangte. Offiziell eine sozialistische Republik, wurde Myanmar seit dem Staatsstreich von 1962 von einer Militärdiktatur regiert. Von 2011 bis 2021 hatte das Land eine Verfassung und ein ziviles Staatsoberhaupt, seit einem Putsch im Februar 2021 steht es jedoch wieder unter Militärherrschaft.

Die Teilung Koreas

Korea, seit 1905 japanisches Protektorat und seit 1910 japanische Kolonie, erhielt 1945 offiziell die Unabhängigkeit, war aber de facto im Norden von der Sowjetunion und im Süden von den USA besetzt. Auf Höhe des 38. Breitengrades wurde das Land 1948 in zwei Staaten gespalten. Der Einmarsch nordkoreanischer Truppen in den Südteil löste 1950 den Korea-Krieg aus, in dem der Süden im Auftrag der UNO von den USA Unterstützung erhielt, während der Norden chinesische Waffenhilfe bezog. Das Waffenstillstandsabkommen von 1951 stellte die alten Grenzen wieder her, führte aber auch zu einer hermetischen Abgrenzung beider Staaten. Der Norden wurde kommunistisch, der Süden entwickelte sich zu einer westlich orientierten Republik.

Neue Wirtschaftsmacht VR China

In China kam es 1949 nach einem langjährigen Guerillakrieg zum Sturz der Regierung Chiang Kai-sheks. Mit rund zwei Millionen seiner Anhänger floh dieser auf die Insel Taiwan, auf der er 1950 die Nationale Republik China proklamierte. Bis 1971 hatte diese in der UNO den chinesischen Alleinvertretungsanspruch, der jedoch im Zuge der Annäherung der USA an die Volksrepublik China an die Volksrepublik verloren ging. Bis heute wird Taiwan von China als abtrünnige Provinz betrachtet und auch von den meisten Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen nicht als souveräner Staat anerkannt (vgl. 298.1).

1971 erfolgte die Anerkennung der Volksrepublik China durch die UNO. Nach Maos Tod 1976 verfolgte China einen gemäßigt sozialistischen Kurs, die Demokratiebewegung von 1989 wurde jedoch niedergeschlagen. Der teils noch immer undemokratischen Innenpolitik steht in der Gegenwart die weitgehende Öffnung zur Marktwirtschaft gegenüber.

Nachfolgestaaten der Sowjetunion

1985 führte die Wahl Michail Gorbatschows zum Generalsekretär der KPdSU zu tiefgreifenden politischen Veränderungen in der Sowjetunion, durch die sich in der Folge die asiatische Staatenwelt stark veränderte. Die demokratischen Reformen im Inneren wurden zum Auslöser für die Abspaltung vieler nichtrussischer Völker, die schließlich zum Zerfall der UdSSR führte. Am 26. Dezember 1991 wurde die einstige Weltmacht formell für aufgelöst erklärt. Auf ihrem Territorium entstanden neben der Russischen Föderation die Nachfolgestaaten Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Ukraine, Weißrussland, Moldawien, Estland, Lettland und Litauen. Für unabhängig erklärt hat sich im Zuge des Zerfalls der UdSSR auch die zwischen Armenien und Aserbaidschan gelegene Region Bergkarabach, sie wird aber international nicht anerkannt (vgl. 298.1).

2014 begann der Konflikt um die Halbinsel Krim, eigentlich ukrainisches Staatsgebiet, die völkerrechtswidrig durch Russland annektiert wurde, gefolgt von weiteren Eskalationen von russischer Seite im Donbass-Gebiet. Im Februar 2022 kam es zur Invasion russischer Truppen in die Ukraine, im September desselben Jahres annektierte Russland weitere Gebiete der Süd- und Ostukraine.

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